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Der Griff nach den Sternen

Das Symphonische Blasorchester Regensburg stellt sich an diesem Wochenende dem internationalen Vergleich bei einem Wertungsspiel in Italien.

REGENSBURG (Hans Scherrer). "Wir haben Blut geleckt", sagt Rüdiger Deutsch, der Vorsitzende der Bläserphilharmonie Regensburg, und spielt auf den Erfolg an, den das Orchester im vergangenen Oktober erzielt hat. Damals hatten die rund 60 Musikerinnen und Musiker – alle ausnahmslos Laieninstrumentalisten – beim CISM-Wettbewerb in Bamberg in der höchsten Wertungskategorie den ersten Platz "mit ausgezeichnetem Erfolg" errungen. So etwas stärkt das Selbstbewusstsein.

Des Weiteren hat auch die Brass Band (die Blechbläser innerhalb der Bläserphilharmonie) beim Deutschen Orchesterwettbewerb 2004 den zweiten Platz belegt und das Gesamtorchester im gleichen Jahr bei einem Wertungsspiel in der Höchststufe den ersten Platz abgeräumt. Und jetzt will man es ganz genau wissen: An diesem Wochenende beteiligt sich die Bläserphilharmonie als eines von zwei deutschen Orchestern am internationalen Blasorchesterwettbewerb "Flicorno d'Oro" in Italien. Eine äußerst renommierte Veranstaltung, bei der nicht so einfach jeder mitmachen kann, denn für eine Teilnahme muss man sich erst einmal qualifizieren. Beim "Flicorno d'Oro" mischt sozusagen die Champions League der Bläser auf.

Spielen in der "categoria superiore"

"Wir spielen dort in der 'categoria superiore'", sagt Jörg Seggelke, der Dirigent der Bläserphilharmonie (und einziger Berufsmusiker im Orchester), "das ist vergleichbar mit der deutschen Höchststufe." Es gebe zwar noch eine höhere Kategorie, "aber die ist von Laienmusikern beim besten Willen nicht mehr zu schaffen." Gewonnen habe man übrigens jetzt schon, unabhängig vom Ausgang des Wettbewerbs in Italien, sagt Seggelke und meint damit den Verlauf der letzten Generalprobe. Denn da habe das Orchester ein unglaublich hohes Niveau gezeigt.

"Wir fühlen uns musikalisch richtig wohl und müssen nun nur noch abrufen, was wir können." Immerhin habe die Bläserphilharmonie eine immense Vorbereitungsarbeit geleistet, viermal die Woche plus einem Wochenende geprobt, "was für Laien, die ja auch noch berufstätig sind oder studieren, keineswegs selbstverständlich ist."

Extrem schwere Spielstücke

Seggelke ist überzeugt, "dass der Wettbewerb 'Flicorno d'Oro' einen wichtigen Moment in der Entwicklung der musikalischen Qualität darstellt – für diejenigen, die, wie wir, diese Herausforderung annehmen wollen." Schließlich biete dieser Wettbewerb auch interessante Anknüpfungspunkte für die Orchester, die daran teilnehmen. " Und der Einsatz, der die Vorbereitung auf den Vergleich erfordert, ist für jede Musikgruppe eine Gelegenheit, zu wachsen."

Das wäre allerdings auch schon ohne Vergleich mit anderen Orchestern der Fall, betrachtet man nur einmal die Stücke, die von der Bläserphilharmonie in Italien aufgeführt werden. Da sind zum einen die "Bulgarischen Tänze" aus der Feder des Schweizer Komponisten Franco Cesarini.

Dies ist zwar ein musikalisch höchst interessantes Werk, aber auch ein spieltechnisch äußerst vertrackter Zinken, der den Musikern außerordentliches Können abverlangt. So enthält die Komposition irrsinnige Taktwechsel (Sieben-Achtel, Elf-Achtel usw.) und Tempowechsel ebenso wie solistische Einlagen. "Ein typisches Wettbewerbsstück", sagt Seggelke, "das auch den Dirigenten fordert."

"Imperial Prelude" heißt das zweite Pflichtstück, das die Bläserphilharmonie vorträgt. Damit hat das Orchester bereits beim Wettbewerb der CISM (Confédération Internationale des Sociétés Musicales) in Bamberg überzeugt. "Wir haben dort 94 Punkte geholt, sechs Punkte Vorsprung vor dem zweiten Sieger", erzählt Seggelke stolz und verweist darauf, "dass bei diesem Wettbewerb höchst selten mehr als 88 Punkte vergeben werden."

"In Regensburg noch unterschätzt"

Zunächst habe er das Ergebnis damals selber gar nicht so recht fassen können. "Aber als ich mir hinterher in aller Ruhe die Tonaufzeichnungen angehört habe, da war auch mir klar, dass diese Bewertung gerechtfertigt war."

Eigentlich hatte Seggelke schon vor Jahren eine Teilnahme mit der Bläserphilharmonie am "Flicorno d'Oro" erwogen, das Vorhaben aber wieder zurückgestellt. "Damals waren wir noch nicht soweit." Das habe sich aber zwischenzeitlich geändert. "Gerade in den letzten beiden Jahren hat das Orchester einen signifikanten Qualitätssprung nach oben vollzogen."

Das sei einerseits auf geringere Fluktuation innerhalb des Klangkörpers zurückzuführen und zum andern auf eine deutlich gestiegene Motivation der Musiker. "Wir zählen mittlerweile zu den Top-Blasorchestern im süddeutschen Raum", sagt Seggelke, der noch mehrere andere Orchester leitet. Und: "Ich glaube, dass dieses Orchester in Regensburg maßlos unterschätzt wird."

Gegründet wurde die Bläserphilharmonie im Dezember 1993 von Wolfgang Graef, dem Leiter der städtischen Sing- und Musikschule, der das Orchester auch bis zum Jahr 2001 leitete. Dann übernahm Jörg Seggelke das Zepter mit der erklärten Zielsetzung, das Symphonische Blasorchester Regensburg (SBOR), wie es sich damals noch nannte, in die Spitze zu führen.

Kompositionen uraufgeführt

So wurden insbesondere große symphonische Werke aufgeführt, die eine ganze Konzerthälfte füllen können wie zum Beispiel die große Symphonie Nr. 1 für Blasorchester nach Themen von J.R.R. Tolkien "Lord of the Rings", die auch auf CD aufgenommen wurde. Und bei einem Kompositionswettbewerb zu Ehren von F. X. Schönwerth spielte das Orchester 2011 die Uraufführungen der Preisträgerstücke (auch auf YouTube hörbar).

Ebenso hat die Bläserphilharmonie mit regionalen und internationalen Solisten zusammen musiziert. Dazu zählen die Pianistin Anastasia Zorina und der Klarinettist Bernd Rosenhammer als auch internationale Gaststars wie der britische Euphonium-Virtuose Steven Mead oder der Klezmer-Klarinettist Helmut Eisel.

Die Mitglieder des Orchesters kommen übrigens aus den verschiedensten Berufen, sind Postbeamte, Studenten, Ärzte oder Ingenieure. Neue Mitspieler(innen) sind jederzeit willkommen.

22.03.2013 | Mittelbayerische Zeitung